Medikamentenpreise dürfen nicht zum politischen Standortinstrument werden: Die OKP ist eine Sozialversicherung

Bern, 26.05.2026

Die aktuelle Diskussion um Pharma-Standort, US-Zölle und Versorgungssicherheit darf nicht dazu führen, dass von der Politik beschlossene, wirksame Kostendämpfungsmassnahmen bei Medikamenten abgeschwächt oder verzögert werden. prio.swiss fordert, das Kostendämpfungspaket 2 im Arzneimittelbereich wie vorgesehen umzusetzen – es ist ausgewogen im Interesse der Versicherten und Patienten und enthält auch klare Verbesserungen im Zugang zu neuen Medikamenten. Höhere Medikamentenpreise sind kein geeignetes Instrument der Standortpolitik – sie würden direkt zulasten der Prämienzahlerinnen und Prämienzahler gehen.

Die Medikamentenkosten gehören zu den grössten Kostenblöcken der obligatorischen Krankenpflegeversicherung und damit einer Sozialversicherung. Gleichzeitig liegen die Preise in der Schweiz im internationalen Vergleich weiterhin hoch. Vor diesem Hintergrund ist es aus Sicht von prio.swiss nicht nachvollziehbar, wenn im Zuge aktueller handelspolitischer Diskussionen nicht faktenbasierter Forderungen nach höheren Preisen oder einer Sistierung der vom Parlament beschlossenen Vorlage erhoben werden.

«prio.swiss beurteilt das zweite Kostendämpfungspaket als ausgewogen, mit klaren Verbesserungen im Zugang zu neuen Medikamenten», sagt Saskia Schenker, Direktorin von prio.swiss. «Es ist unverständlich, dass nun über ein demokratisch beschlossenes Gesetz auf Basis der Verordnung Grundsatzdiskussionen geführt werden.»

Zentral sind aus Sicht von prio.swiss die Kostenfolgemodelle. Sie ermöglichen Rückerstattungen bei besonders umsatzstarken Arzneimitteln und sorgen dafür, dass starke Mengenausweitungen nicht ungebremst zulasten der Prämienzahlerinnen und Prämienzahler gehen. Zugleich stellt das gesamte Massnahmenpaket sicher, dass die Versorgungssicherheit in der Schweiz hoch bleibt, ohne dabei den Schweizer Pharmastandort in Zeiten der USA-Diskussionen zu schwächen. Die Kostenfolgemodelle ermöglichen für eine eingeschränkte Menge bereits auf dem Schweizer Markt etablierter und besonders umsatzstarker Medikamente eine umsatzabhängige Rückerstattung. Aufgrund der progressiven Ausgestaltung wirken sie verursachergerecht.

Auch braucht es bei der Preisfestsetzung klare und transparente Regeln. Intransparente Auslandpreise oder reine Schaufensterpreise dürfen nicht zu überhöhten Einstiegspreisen in der Schweiz führen. Entscheidend ist, dass Preisvergleiche auf realistischen Grundlagen beruhen und der Nutzen eines Medikaments angemessen berücksichtigt wird.

Vertrauliche Preismodelle können im Einzelfall notwendig sein, um den Zugang zu neuen Therapien zu ermöglichen. Sie dürfen aber nicht zur dauerhaften Intransparenz werden. prio.swiss fordert deshalb klare Grenzen und eine zeitliche Begrenzung solcher Modelle.

Gleichzeitig anerkennt prio.swiss, dass die Versorgungssicherheit bei Arzneimitteln eine wichtige Herausforderung ist. Diese muss gezielt angegangen werden. Sie darf aber nicht als pauschales Argument dienen, um vom Parlament beschlossene wirksame Kostendämpfungsmassnahmen auszubremsen.

Für prio.swiss ist klar: Die Schweiz braucht raschen Zugang zu wirksamen Innovationen, eine sichere Versorgung und faire Preise. Das Kostendämpfungspaket 2 ist ein wichtiger Schritt, um diese Ziele besser miteinander zu verbinden sowie die Prämienzahlerinnen und Prämienzahler zu entlasten.

 

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