Die mittlere Prämie der obligatorischen Krankenpflegeversicherung steigt 2027 um 5,0 Prozent, wie das Eidgenössische Departement des Inneren (EDI) heute mitteilt. Für viele Haushalte bedeutet dies erneut eine spürbare Mehrbelastung. Umso wichtiger ist, dass alle Akteure im Gesundheitswesen und die Politik an einem Strang ziehen und gemeinsam die nötigen Verbesserungen ermöglichen. prio.swiss fordert ein rasches Voranbringen der verbindlichen gemeinsamen Spitalplanungen durch die Kantone, eine konsequente Umsetzung beschlossener Reformen wie des Kostendämpfungspakets 2 mit den Preisrabatten auf besonders umsatzstarke Medikamente sowie Korrekturen beim Missbrauch der Angehörigenpflege. Als Tarifpartnerin setzt sich prio.swiss dafür ein, dass bei der neuen ambulanten Arzttarifstruktur Kosteneffekte sorgfältig überwacht, die Kostenneutralität eingehalten und Fehlentwicklungen gezielt korrigiert werden. Zudem braucht es für die Bevölkerung mehr Transparenz über Leistungen, die von Bundesrat, Parlament oder Gerichten neu in den Leistungskatalog der obligatorischen Krankenpflegeversicherung aufgenommen werden.
«Ein durchschnittlicher Prämienanstieg von 5 Prozent ist für viele Haushalte spürbar und eine Erhöhung, die sich nicht jährlich wiederholen darf», sagt Saskia Schenker, Direktorin von prio.swiss, dem Verband der Schweizer Krankenversicherer. «Seitens der Krankenversicherer sind wir konstant im Einsatz für eine gute, aber gleichzeitig auch bezahlbare Grundversicherung. Wir fordern, dass sich alle Akteure dazu bekennen, dass Leistungen finanzierbar bleiben müssen und dass alle Akteure zusammen die nötigen Reformen und Verbesserungen raschmöglichst gemeinsam umsetzen.»
Spitallisten gemeinsam beschliessen und Bedarf nachweisen
Grosser Handlungsbedarf besteht bei der interkantonalen Spitalplanung. Hier hat die Gesundheitsdirektoren-Konferenz GDK zwar ein wichtiges Projekt zur stärkeren Spezialisierung der Vergaben lanciert, gleichzeitig sind zu wenig rasch Fortschritte in den aktuellen Spitalplanungen erkennbar. Die Kantone sollen Leistungsaufträge in Versorgungsregionen gemeinsam vergeben, Patientenströme miteinbeziehen sowie Vorgaben für Mindestfallzahlen je Standort, Qualität und Wirtschaftlichkeit vereinheitlichen. Bleibt diese Koordination aus, die heute bereits gesetzlich vorgeschrieben ist, muss der Bund subsidiär eingreifen, wie es der Parlamentsauftrag für überregionale Spitallisten (Motion 25.3017) verlangt.
Die Schwyzer Spitalliste zeigt den Handlungsbedarf: prio.swiss kritisierte die ungenügende interkantonale Abstimmung sowie zusätzliche Leistungsaufträge trotz vorhandener Kapazitäten. Das Bundesverwaltungsgericht trat lediglich aus formellen Gründen nicht auf die Beschwerde gegen die gesamte Liste ein, beurteilte die Kritik jedoch inhaltlich nicht. Die Kosten ungenügender Planung tragen letztlich die Prämienzahlerinnen und Prämienzahler.
Ambulanter Arzttarif: Auf dem Weg zu einem sachgerechten Tarifsystem
Ziel der Tarifpartner prio.swiss, H+, FMH und der Partner MTK und GDK in der ambulanten Arzttariforganisation ist ein sachgerechtes Tarifsystem als wichtige Grundlage für eine verlässliche und gesicherte ambulante Versorgung. Nach Einführung der längst überfälligen neuen Tarifstruktur per 1.1.2026 und Ablösung des veralteten TARMED konnten die Tarifpartner im Juni bereits die erste Revision für 2027 beim Bundesrat einreichen. Diese trägt dazu bei, ambulante ärztliche Leistungen aktueller und angemessener abzubilden und behebt viele erkannte Fehler. Gleichzeitig bleibt die Weiterentwicklung eine Daueraufgabe. prio.swiss bekennt sich zur Kostenneutralität bei der Einführung neuer Tarifstrukturen und zur Vorgabe des Bundesrats, die Obergrenze von 4 Prozent für das jährliche Kostenwachstum der ambulanten ärztlichen Leistungen einzuhalten, was keineswegs Nullwachstum bedeutet. Die Tarifpartner sind gemeinsam gefordert, die Tarifstruktur datenbasiert weiterzuentwickeln hin zu einer sachgerechten Tarifstruktur, was dank der neu möglichen jährlichen Revision entsprechend möglich ist. Gleichzeitig sind die Tarifpartner aufgefordert, gemeinsam die Vorgaben von Kostenneutralität und die Auflagen des Bundesrats einzuhalten.
Weitere Massnahmen bleiben Daueraufgabe
Die SGK-N und SGK-S haben dem Bundesrat empfohlen, bei der Umsetzung des Kostendämpfungspakets 2 Medikamente den Bericht der Arbeitsgruppe Life Sciences abzuwarten. Damit wird die wichtige Massnahme zur Einführung von Preisrabatten auf besonders umsatzstarke Medikamente zeitlich verzögert. Für prio.swiss ist entscheidend, dass die vom Parlament beschlossenen Gesetzesmassnahmen nun in einer ausgewogenen Verordnungslösung umgesetzt werden. Diese muss sowohl den Zugang zu innovativen Medikamenten in der Schweiz als auch die Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens unter den veränderten internationalen Rahmenbedingungen in ein gutes Gleichgewicht bringen.
«Für die Prämienzahlerinnen und Prämienzahler ist zwingend, dass die Kostenfolgemodelle mit einem jährlichen Einsparpotenzial von rund 350 Millionen Franken umgesetzt werden. Innovation und der Zugang zu neuen Therapien sind zentral – gleichzeitig müssen Medikamente auch langfristig finanzierbar bleiben», sagt Saskia Schenker, Direktorin von prio.swiss.
Weiterhin setzt sich prio.swiss für mehr Rechtssicherheit und weniger Missbrauch bei der Angehörigenpflege ein. Dazu hat der Nationalrat heute nach dem Ständerat mehrere Vorstösse überwiesen. Diese beauftragen den Bundesrat unter anderem, die abrechenbaren Grundpflegeleistungen von Angehörigen klar zu definieren. Er soll darüber hinaus die OKP-Beiträge an Organisationen senken, die pflegende Angehörige beschäftigen sowie verbindliche Qualitätskriterien bei deren Zulassung sicherstellen.
Zudem prüfen die Mitglieder von prio.swiss pro Jahr 150 Millionen Rechnungen und verhindern damit jährlich ungerechtfertigte Kosten von rund 4 Milliarden Franken – das entspricht etwa 10 Prozent des Prämienvolumens. Die Verwaltungskosten der Krankenversicherer pro versicherte Person sanken 2025 laut BAG trotz zunehmender Regulierung von 4,6 auf 4,3 Prozent der Prämien. Absolut blieben sie stabil. Für eine gute und bezahlbare Versorgung stehen alle in der Pflicht, ihren Beitrag zu leisten, weshalb die Krankenversicherer alles daransetzen, die Verwaltungskosten konstant tief zu halten und weiter zu senken. Gleichzeitig entwickeln sie Versorgungsmodelle wie integrierte Versorgungsnetze weiter, die dank besserer Koordination und tieferer Versorgungskosten günstigere Prämien ermöglichen.
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