Bern, 6. Juli 2026
In den vergangenen Tagen haben verschiedene öffentliche Stellungnahmen zu Missverständnissen über die neue, beim Bundesrat eingereichte Tarifstruktur der Physiotherapie geführt. Physioswiss, H+ und prio.swiss möchten deshalb die Ziele der Reform erläutern und einige Missverständnisse ausräumen.
Die neue Tarifstruktur ist das Ergebnis einer funktionierenden Tarifpartnerschaft. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass die heutige Tarifstruktur auf einem Tarifmodell aus dem Jahr 1997 basiert und die Realität der modernen Physiotherapie nicht mehr angemessen abbildet. Nach mehreren Jahren ohne Einigung haben Physioswiss, H+ und prio.swiss im Jahr 2024 einen Letter of Intent unterzeichnet und es geschafft, gemeinsam eine ausgewogene, moderne und datenbasierte Tarifstruktur zu erarbeiten. Im April 2026 reichten die drei Tarifpartner diese beim Bundesrat zur Genehmigung ein.
Die Reform zeigt, dass die Tarifpartnerschaft tragfähige Lösungen entwickeln kann, welche den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten, der Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sowie des Gesundheitssystems gleichermassen Rechnung tragen.
Eine Modernisierung im Interesse der Patientinnen und Patienten
Die neue Tarifstruktur verfolgt weder das Ziel, physiotherapeutische Leistungen einzuschränken noch deren Vergütung zu senken.
Sie trägt vielmehr der Entwicklung des Berufes Rechnung, bildet die tatsächlich erbrachten Leistungen besser ab und stärkt eine bedarfsgerechte Versorgung der Patientinnen und Patienten.
Insbesondere verbessert die neue Tarifstruktur die Abbildung von:
– komplexen und zeitintensiven Behandlungen;
– spezialisierten Therapien;
– robotikgestützten Behandlungen;
– fachlichen Leistungen in Abwesenheit der Patientin oder des Patienten;
– Massnahmen zur Sturzprävention.
Zudem erhalten Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten mehr therapeutischen Handlungsspielraum. Innerhalb der vorgesehenen Limitationen können sie die Behandlungsdauer künftig besser an den individuellen Bedarf der Patientinnen und Patienten anpassen.
Kein Sparprogramm
Entgegen einzelnen Behauptungen handelt es sich bei dieser Reform nicht um ein Sparprogramm.
Das Gesamtvolumen der Leistungen in der Physiotherapie bleibt unverändert. Anpassungen erfolgen ausschliesslich bei der tarifarischen Abbildung der Leistungen, damit diese die tatsächliche Behandlungspraxis besser widerspiegelt. Die tarifarische Abbildung der Leistungen basiert auf datengestützten Analysen.
Mit anderen Worten: Die Reform verändert nicht die Kosten der Physiotherapie. Sie modernisiert die Art und Weise, wie physiotherapeutische Leistungen anerkannt und vergütet werden. Wie jede umfassende Tarifreform verändert sie jedoch die Gewichtung spezifischer Leistungssequenzen innerhalb des gesamten Spektrums.
Die Wirkung auf die Vergütung der Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten ist erst nach Abschluss der Preisverhandlungen bestimmbar, diese Verhandlungen laufen aktuell zwischen den zuständigen Partnern.
Mehr Transparenz, weniger Bürokratie
Die Abrechnung in Fünf-Minuten-Einheiten erhöht die Transparenz und bildet den tatsächlichen Behandlungsaufwand präziser ab.
Gleichzeitig reduziert sie den Klärungsaufwand zwischen Leistungserbringern und Krankenversicherern und trägt damit zu weniger administrativem Aufwand bei.
Die neue Tarifstruktur schafft keine zusätzlichen administrativen Aufgaben für Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten. Tätigkeiten wie Aktenstudium, der Austausch mit Ärztinnen und Ärzten, klinische Beurteilungen oder interdisziplinäre Besprechungen gehörten bereits bisher zu ihren fachlichen Aufgaben und konnten nie an ein Sekretariat delegiert werden. Neu werden diese Leistungen transparent ausgewiesen und tarifarisch korrekt vergütet.
Die administrativen Aufgaben des Sekretariats – wie Rechnungsstellung oder administrative Kontakte mit den Krankenversicherern – bleiben wie bisher Bestandteil der in den Tarifpositionen berücksichtigten Personalkosten.
Gemeinsam die Physiotherapie von morgen gestalten
Die Tarifpartner sind sich bewusst, dass eine neue Tarifstruktur Fragen und Unsicherheiten auslösen können. Jedoch bedauern sie, dass unvollständige oder falsche Darstellungen die öffentliche Diskussion prägen.
Sie sind überzeugt, dass die neue Tarifstruktur einen wichtigen Schritt für die Zukunft der Physiotherapie darstellt. Sie modernisiert eine fast dreissig Jahre alte Tarifstruktur, bildet die tatsächlich erbrachten Leistungen sachgerechter ab und stärkt die Qualität der Versorgung der Patientinnen und Patienten.
Die Tarifpartner werden den Dialog fortsetzen und sich gemeinsam für eine erfolgreiche Umsetzung der Reform einsetzen – im Interesse der Patientinnen und Patienten, der Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sowie eines langfristig tragfähigen Gesundheitssystems.
Was die Reform tatsächlich vorsiehtBehauptung: «Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten müssen künftig mehr arbeiten – für den gleichen Lohn.» Die Fakten: Die Reform ist kein Sparprogramm. Das Gesamtvolumen der Leistungen bleibt unverändert. Die Vergütung wird jedoch sachgerechter verteilt und komplexe sowie zeitintensive Behandlungen werden besser berücksichtigt. Behauptung: «Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten müssen künftig mehr administrative Aufgaben übernehmen.» Die Fakten: An den Aufgaben der Sekretariate ändert sich nichts. Leistungen, die ohne Anwesenheit der Patientin oder des Patienten erbracht werden, gehörten bereits bisher zu den Aufgaben der Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten. Neu werden sie transparent ausgewiesen und sachgerecht vergütet. Behauptung: «Diese Reform benachteiligt die Physiotherapie.» Die Fakten: Die Reform modernisiert eine fast 30 Jahre alte Tarifstruktur. Sie bildet spezialisierte und komplexe Behandlungen, robotikgestützte Therapien sowie Massnahmen zur Sturzprävention besser ab und gibt Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten gleichzeitig mehr therapeutischen Handlungsspielraum. Behauptung: «Diese Reform wurde den Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten aufgezwungen.» Die Fakten: Sie ist das Ergebnis von zwei Jahren intensiver Verhandlungen zwischen Physioswiss, H+ und prio.swiss, die auf Aufforderung des Bundesrats wieder aufgenommen wurden nach mehreren Jahren ohne Einigung. Die neue Tarifstruktur wurde von allen drei Tarifpartnern gemeinsam beim Bundesrat im April 2026 eingereicht. |
Medienkontakt
Dirk Meisel, Mediensprecher prio.swiss, 079 193 12 70, media@prio.swiss
Chantal Mathys, Stv. Leiterin Kommunikation und Marketing Physioswiss, 058 255 36 10, chantal.mathys@physioswiss.ch
Dorit Djelid, Leiterin Kommunikation H+, 031 335 11 63, medien@hplus.ch